KI im Unternehmen: Was tun, wenn Sie keine Anwendung sehen?
Die meisten Betriebe ohne KI sagen, sie hätten keine Verwendung dafür. Eine neue Auswertung des IAB legt nahe, dass diese Einschätzung oft zu früh kommt.
Zwei Drittel der Betriebe in Deutschland haben im zweiten Halbjahr 2025 keine Künstliche Intelligenz genutzt und auch keinen Einsatz geplant. Von diesen Betrieben gaben 88 Prozent an, sie sähen dafür keine Anwendungsmöglichkeit. Das zeigt eine Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die am 20. Oktober 2026 erschienen ist.
Ich halte diese Antwort für ehrlich. In vielen Fällen halte ich sie aber auch für vorläufig. In diesem Beitrag geht es darum, wie Sie KI im Unternehmen prüfen, wenn Sie bisher keinen Anlass dafür sehen. Und woran Sie erkennen, dass es tatsächlich keinen gibt.
Was die Zahlen des IAB zeigen
Grundlage ist das IAB-Betriebspanel, eine jährliche Befragung von rund 15.000 Betrieben aller Größen und Branchen. Rund jeder vierte Betrieb nutzte 2025 generative KI, also Programme, die Texte, Bilder oder Auswertungen erzeugen. 2023 waren es noch 5 Prozent. Die Größe macht einen deutlichen Unterschied: In Betrieben ab 200 Beschäftigten lag der Anteil bei 48 Prozent, in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten bei 21 Prozent. Im Baugewerbe, im Gastgewerbe und in Verkehr und Lagerei blieb er unter 15 Prozent.
Neben der fehlenden Anwendung nannten die Betriebe ohne KI weitere Gründe:
- fehlendes Wissen (36 Prozent)
- fehlende Fachkräfte für die Einführung (34 Prozent)
- Hard- oder Software, die nicht dazu passt (33 Prozent)
- Bedenken bei Datenschutz und Sicherheit (32 Prozent)
- rechtliche Unsicherheit (32 Prozent)
- zu hohe Kosten (30 Prozent)
Nur 7 Prozent hatten KI ausprobiert und waren enttäuscht. 37 Prozent nannten einen einzigen Grund, und das war fast immer die fehlende Anwendung.
Ein Befund hat mich besonders interessiert. Das IAB hat auch ausgewertet, wie stark die Berufe in einem Betrieb Tätigkeiten enthalten, bei denen KI helfen kann. Betriebe mit vielen solchen Tätigkeiten nutzen KI deutlich öfter: 41 Prozent gegenüber 13 Prozent bei Betrieben mit wenigen. Unter den Betrieben ohne KI sagen aber beide Gruppen fast gleich häufig, sie sähen keine Anwendung, nämlich 85 und 91 Prozent. Die Antwort hängt also kaum davon ab, wie viel Arbeit im Betrieb tatsächlich für KI in Frage käme. Der Autor der Auswertung sieht darin ungenutztes Potenzial.
Warum KI im Unternehmen meist kleiner anfängt als gedacht
Wer bei KI an ein großes Projekt denkt, findet in einem Betrieb mit zehn Leuten selten auf Anhieb eine Anwendung. Eine Software, die selbständig Aufträge abwickelt, braucht saubere Daten, passende Schnittstellen und jemanden, der sie betreut. Das ist bei vielen kleinen Betrieben heute noch nicht der Fall.
Die Zahlen zeigen einen anderen, kleineren Einstieg. 90 Prozent der Betriebe, die generative KI nutzen, setzen frei verfügbare Anwendungen ein. Eigene Modelle haben nur 6 Prozent entwickelt. Genutzt wird generative KI laut IAB vor allem in Verwaltung und Kommunikation, für Texte, Präsentationen und Auswertungen. In Produktion und Logistik spielt sie bisher kaum eine Rolle.
Für einen Handwerksbetrieb heißt das: Die Anwendung steht selten in der Werkstatt oder auf der Baustelle. Sie steht im Büro, bei Angeboten, Rückfragen und Unterlagen. Wer nur an die eigentliche Arbeit denkt, findet folgerichtig nichts.
Das IAB schreibt außerdem, dass die lohnendsten Anwendungen vom einzelnen Betrieb abhängen und sich nicht von außen vorgeben lassen. Betriebe sollten KI deshalb zumindest versuchsweise testen. Dem stimme ich zu. Eine Liste mit fünfzig Ideen aus dem Internet hilft Ihnen weniger als ein Blick auf Ihre eigene Woche.
Vier Fragen für Ihren eigenen Betrieb
Gehen Sie die folgenden Fragen mit den Personen durch, die im Büro arbeiten. In kleinen Betrieben sind das oft Sie selbst und eine weitere Person.
1. Wo wird geschrieben?
Angebotstexte, Antworten auf Kundenmails, Mängelberichte, Stellenanzeigen, Texte für die Website. Hier kann ein KI-Assistent einen ersten Entwurf liefern, den Sie anschließend prüfen und anpassen.
2. Wo wird gelesen und gesucht?
Lange Ausschreibungen, Herstellerunterlagen, Verträge, ein unübersichtlicher Mailverlauf. KI kann zusammenfassen und die Stelle finden, auf die es ankommt. Die Entscheidung bleibt bei Ihnen.
3. Wo werden Daten übertragen?
Werte aus einem Lieferschein in die Warenwirtschaft, Angaben aus einer Anfrage in die Kundenliste. Das ist meist ein Fall für Automatisierung. Wie Sie dafür den richtigen ersten Vorgang auswählen, beschreibe ich im Artikel „Prozesse automatisieren: Womit fange ich an?“.
4. Wo wird immer wieder dasselbe erklärt?
Wiederkehrende Fragen von Kunden oder die Einarbeitung neuer Mitarbeitender. Hier hilft KI beim Aufschreiben, damit die Erklärung künftig nachzulesen ist.
Notieren Sie zu jeder Antwort, wie oft die Aufgabe vorkommt und wie lange sie dauert. Dann sehen Sie schnell, ob sich ein Versuch lohnt.
Vier Wochen testen statt grundsätzlich entscheiden
Fällt Ihnen bei einer der Fragen etwas ein, testen Sie genau diese eine Aufgabe. Ein klein gehaltener Versuch beantwortet mehr als jede Grundsatzdiskussion:
- Eine Aufgabe, eine Person, ein Werkzeug.
- Vorher notieren, wie lange die Aufgabe heute dauert.
- Keine Kundendaten und keine Daten von Mitarbeitenden in frei verfügbare Werkzeuge eingeben, solange nicht geklärt ist, was mit den Daten passiert.
- Jedes Ergebnis prüft ein Mensch, bevor es den Betrieb verlässt.
- Nach vier Wochen entscheiden: weitermachen, anpassen oder lassen.
Punkt 3 nimmt die Bedenken bei Datenschutz und Sicherheit ernst, die fast ein Drittel der Betriebe ohne KI nennt. Er ist auch der Grund, warum Sie mit Aufgaben anfangen sollten, bei denen keine sensiblen Daten im Spiel sind.
Wann „keine Anwendung“ die richtige Antwort ist
Es gibt Betriebe, in denen kaum geschrieben, gelesen oder übertragen wird. Wenn Ihre vier Antworten kurz ausfallen und die Aufgaben selten vorkommen, ist „keine Anwendung“ ein gültiges Ergebnis. Dann sparen Sie sich Zeit und Geld, und das ist ebenfalls eine gute Entscheidung.
Wichtig ist nur, dass die Antwort auf einem Blick in die eigene Woche beruht. Sie sollte nicht aus der Annahme stammen, KI sei etwas für große Unternehmen. Die Technik entwickelt sich zudem schnell. Auch das IAB weist darauf hin, dass sich die Gründe gegen KI deshalb ändern können. Eine Prüfung einmal im Jahr reicht für die meisten kleinen Betriebe aus.
Quellen
- Weshalb die meisten Betriebe Künstliche Intelligenz (noch) nicht nutzen, IAB-Forum, 20. Oktober 2026
- Jeder vierte Betrieb in Deutschland nutzt generative KI, IAB-Presseinformation, 5. Mai 2026
- Künstliche Intelligenz in deutschen Betrieben: Jeder vierte Betrieb nutzt mittlerweile generative KI, IAB-Kurzbericht 8/2026
- Viele Unternehmen zögern bei KI, WirtschaftsWoche (dpa), 20. Oktober 2026